Und schon wieder sind unzählbar viele Wochen vergangen.. Die Wochen kommen und gehen, dasselbe Spiel mit dem Monaten. Kaum fängt die Woche an, dann endet sie schon wieder. Nach nun einem halben Jahr Aufenthalt in Kolumbien habe ich das Gefühl, dass die Zeit wie im Fluge vergeht!
Ich möchte mich zuerst bei all meinen fleißigen Blog-Lesern entschuldigen, dass ich mal wieder solange nichts von mir habe hören lassen. Was soll ich sagen, ich weiß einfach nicht mehr wo die Zeit bleibt..
Was ist alles passiert in den letzten Wochen? Ich kann mich kaum selbst an all die vielen neuen Erlebnisse, Eindrücke, Probleme usw. erinnern. Aber eins weiß ich: Endlich hat sich auch bei mir ein Alltag eingestellt! Die großen Schulferien von drei Monaten sind vorbei und ich konnte nun endlich meinen Platz in meinem Projekt, dem 'Colegio de las aguas' in Montebello, finden. Jeden Morgen fängt für mich die Schule um 7 Uhr in der Frühe an. Noch vor der ersten Unterrichtsstunde versammeln sich alle Kinder der Schule auf dem Schulhof, besprechen Dinge, die Alle betreffen und beten gemeinsam. Danach beginnt der Unterricht. Von neun Uhr bis viertel vor zehn ist Pause. Für alle Kinder gibt es in dieser Zeit ein gemeinsames Frühstück. Der Unterricht geht anschließend bis zwölf Uhr weiter. Zum Abschluss gibt es noch ein Mittagessen für die Kinder, die die dafür fälligen geringen Kosten (800 Pesos) am Morgen für das Essen gezahlt haben.
Im Moment gebe ich in der ersten, zweiten und dritten Klasse je zwei Stunden Englischunterricht in der Woche. Außerdem unterstütze ich die Lehrer in den Pausen die hungrigen Münder der Kinder möglichst ohne Gedrängel und Probleme zu füllen.
Es ist nicht leicht Englisch-Kenntnisse den kleinen Kindern zu vermitteln, da sehr viele der Kinder Konzentrationsprobleme haben und während dem Unterricht ziemlich unruhig sind. Deshalb ist während meinen Englischstunden immer ein Lehrer mit in der Klasse, der mir zur Not helfen kann, die Kinder zu kontrollieren. Hinzu kommt, das in einer Klasse sehr viele Schüler sind (in der zweiten Klasse zum Beispiel geht die Anzahl der Schüler schon fast auf die Vierzig zu), was das Problem nicht vereinfacht. Reiner Frontalunterricht ist kaum möglich! Für die Kinder ist es wichtig spielerisch zu lernen, indem sie eigenständig zu den gelernten Sachen kreative Aufgaben lösen können oder anschließend etwas zum Thema singen, malen oder ausmalen dürfen. Meine Standardunterrichtsmethoden sind dementsprechend englische Kinderlieder wie: „head and shoulders, knees and toes“, „if you're happy and you know it“ oder schöne Bilder zum ausmalen, natürlich passend zum Thema. In den Schulstunden, in denen ich keinen eigenen Unterricht habe, begleite ich verschiedene Lehrer in ihren Klassen. Oft unterstütze ich die Lehrerin „Martha“ der zweiten Klasse. Sie hat unter ihren fast vierzig Schützlingen noch zwei behinderte Kinder dabei. Einer davon heißt Cesar! Cesar ist acht Jahre alt und leidet an dem Down-Syndrom, wie mein kleiner Moritz aus Deutschland. Er ist ein fröhlicher und sehr liebenswürdiger kleiner Junge, der ein Talent für malen und zeichnen hat. Während dem normalen Unterricht ist es für die Lehrer schwer sich noch gleichzeitig um solche Kinder zu kümmern. Wenn ich da bin, dann bekommt er von mir Unterstützung und Aufgaben gestellt, die für ihn lösbar sind. Mir gefällt es zu sehen, dass er in der Gemeinschaft von normalen Kindern aufwächst und folglich lernt, sich eigenständig zurecht zu finden und die anderen Kinder im Gegenzug lernen Acht auf ihn zu geben und ihm zu helfen!
 |
| der kleine Cesar |
|
|
 |
| morgendliches Ritual .. |
 |
| beim frühstücken .. |
 |
| Maria José aus der zweiten Klasse .. |
Ich arbeite jedoch nur drei von fünf Tagen in der Woche mit den jüngeren Kindern, da ich zusätzlich noch ein „Kochprojekt“ leite, das ich gemeinsam mit den Auszubildenden der Gastronomie durchführe. Das Projekt ist ein sogenanntes „Dreiecks-Projekt“, da es auf drei verschiedenen Kontinenten, nämlich in Deutschland, Kolumbien und in Südafrika stattfindet. Es nennt sich „Connecting Continents“ und vernetzt junge Menschen über tausende Kilometer miteinander. Das Team ist folglich auf drei verschiedenen Kontinenten zu unterschiedlichen Uhrzeiten am Organisieren, Vorbereiten, Durchführen und Reflektieren. Die Idee ist, dass die Jugendlichen aus den drei verschiedenen Ländern Rezepte aus ihrem eigenen Land kochen und präsentieren, sowie Rezepte aus den anderen Ländern ausprobieren und bewerten. Zur Kommunikation untereinander dient eine spezielle, für die am Projekt teilnehmenden Jugendlichen eingerichtete Internetseite, in der diese sich gegenseitig austauschen, Bilder und Videos der Kochevents bewundern und vieles mehr machen können! Ich bin leider immer noch dabei das bestehende Internet-Problem in der Schule zu lösen ;)! Als Ergebnis am Ende des Jahres soll schließlich ein trinationales Kochbuch entstehen!
Das Projekt findet zwischen der Ev. Stiftung Arnsburg in Deutschland (
http://www.arnsburg.de/), dem gemeinnützigen Verein „Schule fürs Leben“ bzw. „Escuela para la vida“ in Kolumbien (
http://www.schulefuersleben.de/) sowie dem gemeinnützigen Verein „Masifunde Bildungsförderung e.V. in Südafrika (
http://www.masifunde.de/) statt. Jeden Montag führe ich deshalb Arbeiten am Computer (Rezepte übersetzen, per Skype mit den Leitern der Projekte in Südafrika und Deutschland kommenden Events planen, Probleme besprechen etc.) durch. Da die Auszubildenden aus der Gastronomie jeden Donnerstag die Küche in der Schule zur Verfügung haben, kochen wir an diesen Tagen die eigenen oder fremden Rezepte, machen Fotos sowie Videos und kosten im Anschluss unser Ergebnis..
Das Kochprojekt "Connecting Continents" will so junge Menschen auf diesen drei Kontinenten anregen, sich mit ihrem Weltbild zu beschäftigen und Kompetenzen auszubilden, die im späteren Schul- und Berufsleben nützlich sein können. Mir persönlich macht die Arbeit mit den Jugendlichen in der Küche viel Spaß. Wir haben nun schon den ersten Zirkel des Projektes hinter uns, „Schnitzel mit Champignon-Soße, Pommes und Salat“ aus Deutschland, „Stew“, eine südafrikanische Suppe sowie das eigene Rezept „maduros aburrajados“ (frittierte Kochbananen mit Käse) und „papas aburrajadas“ (frittierte Kartoffeln) gekocht!
Zwischen den vergangenen Wochen hatten wir Alle außerdem noch sechs Tage Zwischenseminar in Pichinde, einem kleinen Dorf hoch in den Bergen hinter Cali. Nach einer durch wilde tropische Natur, sehr holprigen und steilen Busfahrt hatten wir aufgrund dem Höhenunterschied zu Cali auch mit dem daraus folgenden Klimaunterschied zu kämpfen. EISKALTE Duschen (ich bin fast gestorben) bei frostigen 10-15 Grad tagsüber (an das warme Klima in Cali gewöhnt habe ich gefroren wie im deutschen Tiefwinter) ..
Aber nun freue ich mich erst einmal auf die kommenden Wochen, da ich mir in dem Zeitraum vom 19.03 bis zum 03.04. Urlaub genommen habe und mit Hannah, der Freiwilligen, die in der Bibliothek in Montebello arbeitet, nach Peru fliegen werde :)!