Dienstag, 27. September 2011

Hallo liebe Freunde, Sponsoren und Blog-Leser,

damit es nun alle wissen ..seit fast zwei Wochen bin ich wieder zurück in Deutschland!

Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei all meinen Unterstützern bedanken, die mir dieses Jahr mit möglich gemacht haben. Es war einzigartig schön! Kolumbien ist ein Traumland mit unerschöpfbarem Potenzial. Ich habe mich in ein Land verliebt, in dem die Menschen glücklich sind, auch wenn sie nicht viel haben, in ein Land, in dem auch schreckliche Dinge geschehen, in dem das Leben aber immer irgendwie weiter geht, in ein Land, in dem der Augenblick genossen wird, in dem ich mich habe fallen lassen und einfach nur frei fühlen können.. Ein Land der absoluten Extreme, der Liebe, sowie des Schmerzens! Es gibt ein schönes kolumbianisches Sprichwort, welches man auch am Flughafen in Cali zu Gesicht bekommt. Es besagt: "Colombia, el riesgo es que te quieras quedar." - Kolumbien, das Risiko ist, das du bleiben möchtest! Ich kann es nur bestätigen ..

Es gibt viele Dinge, die ich im Nachhinein aus diesem Blog löschen, verändern, hinzufügen oder korrigieren würde. Aber es sind so unendlich viele Dinge, die mich innerlich bewegt, aufgeregt, verletzt und verändert haben, dass ich womöglich ein dickes Buch damit voll bekommen würde. Das klingt vielleicht komisch, aber es sind Dinge, Erfahrungen, die in mir das Gefühl entstehen lassen, als hätte ich einen Diamanten im Herzen stecken, einen Diamanten, den mir keiner mehr nehmen kann.. 

Abschied ..



die sind mir ;) ..!

Dienstag, 23. August 2011

....


Ist es nicht auch ein gutes Zeichen, dass ich einfach nichts mehr von mir hören habe lassen, weil es mir hier so gut geht und ich vor lauter Treiben und Tun ganz vergessen habe an Deutschland zu denken … :)?
Es hat sich viel verändert, seitdem ich das letzte Mal etwas von mir hören haben lasse.. in mir und außerhalb von mir! 

Es ist Samstag und ich liege gerade auf meinem geliebten Bett in meinem kleinen Zimmer in Cali und genieße die kühle Brise Wind und ein paar feuchte Regentropfen, die soeben durch mein Fenster wehen! Endlich kam wieder ein Regenschauer vom Himmel herunter und hat das heiße, trockene Klima der letzten Wochen ein wenig abgekühlt!
In ein paar Stunden werde ich mich auf den Weg zu meinem zweiten Zuhause machen, zu der Familie von der liebenswürdigsten, lustigsten und ehrlichsten Frau, die ich hier oder vielleicht sogar in meinem ganzen Leben kennengelernt habe! Dort werde ich dann mein Wochenende verbringen.. Martha wohnt in einem kleinen Wellblechhaus in Aguablanca, einem der meist gefürchtetsten und gefährlichsten Stadtviertel hier in Cali. Sie hat zwei Söhne, 18 und 20 Jahre alt, eine Tochter, die 26 Jahre alt ist, und einen kleinen zweijährigen Enkelsohn namens Kevin.. Eine Familie, die nicht viel besitzt, unglaublich liebenswürdig ist und in der ich mich einfach nur pudelwohl fühle! Wenn ich dort bin, schlafe ich mit Martha in einem Zimmer gemeinsam in einem Bett, die Jungs und die Schwester mit dem Sohn teilen sich das Zimmer nebenan mit zwei Betten! Etwas wie Privatsphäre existiert nicht! Das Haus steht immer offen. Die Türen zu den kleinen Zimmern sind nur mit einem Vorhang bedeckt und Nachbarn, Familie und Freunde gehen tagsüber ein und aus und wenn sie Lust haben, dann bleiben sie auch die Nacht über. Für das gewünschte Studium der Jungs ist kein Geld da, deswegen müssen sie arbeiten.. Letztes Wochenende waren wir gemeinsam auf der Geburtstagsfeier von Marthas Schwester. Der Geburtstag fing offiziell um drei Uhr an, wir kamen um 6 Uhr dort an und gegen 8 Uhr waren dann endlich so gut wie alle Gäste da. Es gab ein paar Plastikstühle, viele Geschenke, Popkorn, 2 Geburtstagstorten, „Gaseosa“, und jede Menge Salsa-Musik ...nach einem Jahr nennt sich das für mich einfach nur „typisch kolumbianisch eben“!
Und wenn ich abends vor dem Einschlafen gemeinsam mit Martha im Bett liege, dann erzählt sie mir von ihrem Leben, .. von ihrem Leben, indem schon Dinge passiert sind, die ich mir kaum vorstellen kann, die mich berühren, die mich zum nachdenken anregen und die ich mir aufmerksam anhöre!
Es ist so ..meine Kinder oben in der Schule sehen aus wie normale Kinder. Andere Menschen, die ich getroffen und mit denen ich ganz normal geredet habe, sehen aus wie normale Menschen, .. aber hinter jedem Gesicht verbirgt sich eine Geschichte. So wie ich eines abends auf einem Kulturfestival einen jungen, gutaussehenden und gepflegten Mann kennengelernt habe, der mir nach ein paar Minuten erzählt hat, dass er als kleines Kind von Zuhause abgehauen ist und seine Kindheit und Jugend alleine auf der Straße verbracht hat und jetzt davon träumt eine Organisation zu eröffnen um anderen Kindern, die auf der Straße leben, zu helfen.. Ein anderes Beispiel ist ein kleines dunkelhäutiges Mädchen, das ich während einer Busfahrt beobachtet habe. Sie spielte mit ihrem Bruder, als mir plötzlich auffiel, dass ihre Hände komplett vernarbt waren und ihr die Fingerkuppen „entfernt“ wurden! Wie das geschehen sein mag, bleibt meiner Phantasie offen ..
Wenn Aguablanca nicht so gefährlich wäre und nicht so weit von meinem Arbeits- und anderem Wohnort liegen würde, dann wäre ich womöglich schon dort eingezogen...
Diese Familie kennengelernt zu haben und an ihrem täglichen Leben teilhaben zu dürfen und wie ein Familienmitglied behandelt zu werden, ist das eines der schönsten Geschenke, die ich je bekommen habe..


In der Schule gebe ich seit einigen Wochen noch zusätzlich Einzelunterricht in Mathematik für Ana-Maria, ein Mädchen, dass geistig zurückgeblieben, aber unglaublich lernwillig ist.
Außerdem haben die „ludicas“ von Neuem begonnen. Das sind Betreuungsangebote für die Kinder nach dem Unterricht, die von 1 Uhr bis 3 Uhr stattfinden. Ich biete Sport an! Da meine Jungs nicht genug vom Fußball spielen bekommen können, ist es mehr oder weniger eine Fussball-AG.
Es ist so schön zu sehen, wie das Verhalten der Kinder sich ändert und verbessert, wenn sie etwas tun können, was ihnen wirklich Spaß macht. Ich bin stolz auf meine kleinen Fußballer, dass sie in der Lage sind, ein faires Spiel zu führen! 




Montag, 14. März 2011

Und schon wieder sind unzählbar viele Wochen vergangen.. Die Wochen kommen und gehen, dasselbe Spiel mit dem Monaten. Kaum fängt die Woche an, dann endet sie schon wieder. Nach nun einem halben Jahr Aufenthalt in Kolumbien habe ich das Gefühl, dass die Zeit wie im Fluge vergeht!
Ich möchte mich zuerst bei all meinen fleißigen Blog-Lesern entschuldigen, dass ich mal wieder solange nichts von mir habe hören lassen. Was soll ich sagen, ich weiß einfach nicht mehr wo die Zeit bleibt..
Was ist alles passiert in den letzten Wochen? Ich kann mich kaum selbst an all die vielen neuen Erlebnisse, Eindrücke, Probleme usw. erinnern. Aber eins weiß ich: Endlich hat sich auch bei mir ein Alltag eingestellt! Die großen Schulferien von drei Monaten sind vorbei und ich konnte nun endlich meinen Platz in meinem Projekt, dem 'Colegio de las aguas' in Montebello, finden. Jeden Morgen fängt für mich die Schule um 7 Uhr in der Frühe an. Noch vor der ersten Unterrichtsstunde versammeln sich alle Kinder der Schule auf dem Schulhof, besprechen Dinge, die Alle betreffen und beten gemeinsam. Danach beginnt der Unterricht. Von neun Uhr bis viertel vor zehn ist Pause. Für alle Kinder gibt es in dieser Zeit ein gemeinsames Frühstück. Der Unterricht geht anschließend bis zwölf Uhr weiter. Zum Abschluss gibt es noch ein Mittagessen für die Kinder, die die dafür fälligen geringen Kosten (800 Pesos) am Morgen für das Essen gezahlt haben.
Im Moment gebe ich in der ersten, zweiten und dritten Klasse je zwei Stunden Englischunterricht in der Woche. Außerdem unterstütze ich die Lehrer in den Pausen die hungrigen Münder der Kinder möglichst ohne Gedrängel und Probleme zu füllen.
Es ist nicht leicht Englisch-Kenntnisse den kleinen Kindern zu vermitteln, da sehr viele der Kinder Konzentrationsprobleme haben und während dem Unterricht ziemlich unruhig sind. Deshalb ist während meinen Englischstunden immer ein Lehrer mit in der Klasse, der mir zur Not helfen kann, die Kinder zu kontrollieren. Hinzu kommt, das in einer Klasse sehr viele Schüler sind (in der zweiten Klasse zum Beispiel geht die Anzahl der Schüler schon fast auf die Vierzig zu), was das Problem nicht vereinfacht. Reiner Frontalunterricht ist kaum möglich! Für die Kinder ist es wichtig spielerisch zu lernen, indem sie eigenständig zu den gelernten Sachen kreative Aufgaben lösen können oder anschließend etwas zum Thema singen, malen oder ausmalen dürfen. Meine Standardunterrichtsmethoden sind dementsprechend englische Kinderlieder wie: „head and shoulders, knees and toes“, „if you're happy and you know it“ oder schöne Bilder zum ausmalen, natürlich passend zum Thema. In den Schulstunden, in denen ich keinen eigenen Unterricht habe, begleite ich verschiedene Lehrer in ihren Klassen. Oft unterstütze ich die Lehrerin „Martha“ der zweiten Klasse. Sie hat unter ihren fast vierzig Schützlingen noch zwei behinderte Kinder dabei. Einer davon heißt Cesar! Cesar ist acht Jahre alt und leidet an dem Down-Syndrom, wie mein kleiner Moritz aus Deutschland. Er ist ein fröhlicher und sehr liebenswürdiger kleiner Junge, der ein Talent für malen und zeichnen hat. Während dem normalen Unterricht ist es für die Lehrer schwer sich noch gleichzeitig um solche Kinder zu kümmern. Wenn ich da bin, dann bekommt er von mir Unterstützung und Aufgaben gestellt, die für ihn lösbar sind. Mir gefällt es zu sehen, dass er in der Gemeinschaft von normalen Kindern aufwächst und folglich lernt, sich eigenständig zurecht zu finden und die anderen Kinder im Gegenzug lernen Acht auf ihn zu geben und ihm zu helfen!
der kleine Cesar

morgendliches Ritual ..

beim frühstücken ..
Maria José aus der zweiten Klasse ..

Ich arbeite jedoch nur drei von fünf Tagen in der Woche mit den jüngeren Kindern, da ich zusätzlich noch ein „Kochprojekt“ leite, das ich gemeinsam mit den Auszubildenden der Gastronomie durchführe. Das Projekt ist ein sogenanntes „Dreiecks-Projekt“, da es auf drei verschiedenen Kontinenten, nämlich in Deutschland, Kolumbien und in Südafrika stattfindet. Es nennt sich „Connecting Continents“ und vernetzt junge Menschen über tausende Kilometer miteinander. Das Team ist folglich auf drei verschiedenen Kontinenten zu unterschiedlichen Uhrzeiten am Organisieren, Vorbereiten, Durchführen und Reflektieren. Die Idee ist, dass die Jugendlichen aus den drei verschiedenen Ländern Rezepte aus ihrem eigenen Land kochen und präsentieren, sowie Rezepte aus den anderen Ländern ausprobieren und bewerten. Zur Kommunikation untereinander dient eine spezielle, für die am Projekt teilnehmenden Jugendlichen eingerichtete Internetseite, in der diese sich gegenseitig austauschen, Bilder und Videos der Kochevents bewundern und vieles mehr machen können! Ich bin leider immer noch dabei das bestehende Internet-Problem in der Schule zu lösen ;)! Als Ergebnis am Ende des Jahres soll schließlich ein trinationales Kochbuch entstehen!
Das Projekt findet zwischen der Ev. Stiftung Arnsburg in Deutschland (http://www.arnsburg.de/), dem gemeinnützigen Verein „Schule fürs Leben“ bzw. „Escuela para la vida“ in Kolumbien (http://www.schulefuersleben.de/) sowie dem gemeinnützigen Verein „Masifunde Bildungsförderung e.V. in Südafrika (http://www.masifunde.de/) statt. Jeden Montag führe ich deshalb Arbeiten am Computer (Rezepte übersetzen, per Skype mit den Leitern der Projekte in Südafrika und Deutschland kommenden Events planen, Probleme besprechen etc.) durch. Da die Auszubildenden aus der Gastronomie jeden Donnerstag die Küche in der Schule zur Verfügung haben, kochen wir an diesen Tagen die eigenen oder fremden Rezepte, machen Fotos sowie Videos und kosten im Anschluss unser Ergebnis..
Das Kochprojekt "Connecting Continents" will so junge Menschen auf diesen drei Kontinenten anregen, sich mit ihrem Weltbild zu beschäftigen und Kompetenzen auszubilden, die im späteren Schul- und Berufsleben nützlich sein können. Mir persönlich macht die Arbeit mit den Jugendlichen in der Küche viel Spaß. Wir haben nun schon den ersten Zirkel des Projektes hinter uns, „Schnitzel mit Champignon-Soße, Pommes und Salat“ aus Deutschland, „Stew“, eine südafrikanische Suppe sowie das eigene Rezept „maduros aburrajados“ (frittierte Kochbananen mit Käse) und „papas aburrajadas“ (frittierte Kartoffeln) gekocht!

Zwischen den vergangenen Wochen hatten wir Alle außerdem noch sechs Tage Zwischenseminar in Pichinde, einem kleinen Dorf hoch in den Bergen hinter Cali. Nach einer durch wilde tropische Natur, sehr holprigen und steilen Busfahrt hatten wir aufgrund dem Höhenunterschied zu Cali auch mit dem daraus folgenden Klimaunterschied zu kämpfen. EISKALTE Duschen (ich bin fast gestorben) bei frostigen 10-15 Grad tagsüber (an das warme Klima in Cali gewöhnt habe ich gefroren wie im deutschen Tiefwinter) ..

Aber nun freue ich mich erst einmal auf die kommenden Wochen, da ich mir in dem Zeitraum vom 19.03 bis zum 03.04. Urlaub genommen habe und mit Hannah, der Freiwilligen, die in der Bibliothek in Montebello arbeitet, nach Peru fliegen werde :)!


Samstag, 15. Januar 2011

Und schon wieder sind vier ganze Wochen vergangen … Die Zeit vergeht wie im Fluge! Ab Dienstag sind die großen Ferien vorbei und für mich beginnt wieder der normale Schulalltag von Neuem. Nach den Ferienspielen im Colegio habe ich eine Woche in einer anderen Einsatzstelle, der Bibliothek in Montebello, verbracht. Eine Arbeit, die zwar immer bis 5 Uhr andauert, aber für mich viel entspannter war. Da es in dieser Woche auf Weihnachten zuging, haben wir z.B. Weihnachtsgeschenke für die Kinder, die regelmäßig in die Bibliothek kommen, eingepackt. Außerdem fand jeden Mittag von drei bis fünf Uhr der Kinderclub statt, den wir mitgestaltet haben!
Freitag in dieser Woche war Weihnachten. Diesen Tag haben wir Freiwilligen ganz ruhig im Kloster verbracht und ich war mit Hannah und Max in einem kleinen bunten Restaurant sehr lecker essen.
Direkt nach Weihnachten findet hier die sogenannte „Feria de Cali“ statt. Das bedeutet eine Woche Salsa tanzen, Konzerte, Vorstellungen, Umzüge, an denen man mit Schaum bespritzt wird (hat mich alles sehr an Fasching erinnert), und jede Menge Feierei! Leider nicht ganz so ausgiebig für mich.. Sonntag waren wir nämlich in Cali unterwegs um uns einen Umzug mit einer Pferdeparade anzuschauen. Dort haben wir in dem riesigen Menschengetummel eine nette kolumbianische Familie kennengelernt, die uns einen gegrillten Maiskolben sowie einen außerordentlich leckeren Zuckerrohrsaft von der Straße spendiert haben. Das sollte Folgen haben! Für den Tag darauf hatten wir Karten für eine Salsa-Präsentation von unserer Tanzschule, in der wir regelmäßig zum Salsa-Unterricht gehen. Alles schön und gut, wenn ich nicht die komplette Vorstellung mich übergebend in der Toilette des Theaters verbracht hätte, anschließend im Krankenwagen lag und später im Kloster EMI (eine Art Krankenversicherung, bei der man zu jeder Zeit einen Arzt zu sich nach Hause rufen kann) kommen musste. Als es mir dann langsam wieder besser ging und ich kraftlos in meinem Bettchen lag, fing es bei den Anderen an im Magen zu rumoren. In meinem Zuckerrohrsaft schien jedoch eine besonders große Kolonie fremder Bakterien gehaust zu haben und deshalb lag ich als Einzige ganze zwei Wochen lang flach. Anschließend ging es für mich mit 4kg weniger auf den Rippen mit der Arbeit im Colegio weiter. Zuerst haben wir die Talleres in der Dachziegelproduktion unterstützt und anschließend im Sekreteriat bei der Immatrikulation der Schüler geholfen. Alle Schüler müssen sich nämlich zum neuen Schuljahr neu anmelden und bestimmte Papiere vorweisen können, wie zum Beispiel eine Kopie des Impfausweises, einen Gesundheitsnachweis von einem Arzt usw.

An einem verlängerten Wochenende nach den zwei Wochen im Bett brauchte ich ganz dringend ein wenig Urlaub und bin deshalb mit zwei Freunden nach San Cipriano gefahren. San Cipriano ist ein kleines Dorf mitten im Dschungel, das etwa 20 km vor der Pazifikküste bei Buenaventura liegt. Um dieses Dorf zu finden muss man mit dem Bus Richtung Buenaventura fahren und an einem ebenso kleinen Ort namens Córdoba aussteigen. Schon allein die etwa dreistündige und wackelige Busfahrt dorthin ist ein absoluter Traum, da man wirklich durch paradiesische und unglaublich schöne Landschaften durchfährt. Während den Busfahrten sitze ich generell am Fenster und bin jedes Mal so begeistert von dieser wundervollen Natur, die dieses Land zu bieten hat! Anfangs fährt man mit dem Bus steil bergauf, so lange, bis die Wolken neben einem schweben und man die grünen Berghänge hinunter blicken kann. Entweder man sieht einen reißenden Fluss im Tal, kleine Dörfchen, die Großstadt Cali von ganz oben oder einfach nur ein paar vereinzelte Hüttchen aus Stroh im Nichts. Je länger man in Richtung Meer fährt, desto größer und grandioser wird der Regenwald um einen herum. Man fährt durch kleine Lichtungen, sowie über Straßen die von riesigen Regenwolken und Dampf bedeckt sind, man passiert kleine Dörfchen, die aus etwa sieben Hütten bestehen, passiert gefährlichen Schluchten, an denen vor Steinfall gewarnt wird und kommt an Bereichen im Nichts vorbei, in denen durch den Bürgerkrieg vertriebene Menschen in Hütten aus Plastiktüten leben müssen... In Córdoba angekommen wird man schon von einigen schwarzen Männern erwartet (an der Pazifikküste leben fast nur Schwarze, in San Cipriano im Dschungel nur), die einen begleiten wollen. Nach einem etwa 1km langem Weg trifft man auf einen Stang alter Einsehbannschienen. Es gibt nur kleine Plattformen aus Holz zusammengebastelt mit einer Bank darauf, drei Schienenrädern unten dran sowie einer freien Stelle für das Hinterrad eines Motorrads. Das Motorrad treibt das Holzgefährt an und wird auf dieses drauf gesetzt, so dass das Hinterrad des Motorrads auf der Schiene aufliegt. Nach einer etwa 20 min langen Fahrt durch eine grüne tropische Landschaft kommt man an den Eingang des Dorfes, welches eigentlich nur aus Holzhütten besteht und nicht größer als zwei Straßen ist. In dem Dorf findet man einige sehr simple aber für mich unglaublich süße Unterkünfte zum schlafen. Hauptattraktion dort ist der glasklare, grünlich schimmernde Fluss, zu dem sich eine von San Ciprianos Straßen parallel entlangschlängelt. Hier kann man baden oder sich für ein paar Stunden einen Autoreifen ausleihen, um sich auf dem Wasser treiben zu lassen. Ein kleiner paradiesischer Ort für einen mal anderen Kurzurlaub im Wasser. Auch wenn es an diesem Wochenende viel geregnet hat, konnte man durch die Schwüle dort super in dem Fluss baden und sich erholen... 

Samstag, 18. Dezember 2010

Zwei Tage im "Hogar de la Luz"

Direkt nach den „vacaciones recreativos“ habe ich zwei Tage in einem anderen Projekt, dem „Hogar de la Luz“ verbracht. Das „Hogar de la Luz“ ist ein reines Mädchenheim, das ein wenig außerhalb von Montebello liegt. Die Mädchen, die dort wohnen, sind bis 18 Jahre alt und jedes einzelne von Ihnen verbirgt in sich ihre eigene oft sehr schmerzende Geschichte, die den Grund für den Aufenthalt in dem Heim erzählt.. Viele von ihnen haben Erfahrungen mit Gewalt und Missbrauch in ihrem Leben machen müssen und wohnen dort, weil sie keine Eltern mehr haben oder weil diese kein Geld haben, um sie zu versorgen! Ich habe sofort bemerkt, dass die Arbeit im Heim eine ganz andere Arbeit als in der Schule ist. Das Heim stellt für die Kinder eine Art Familie dar und man kann einen viel persönlicheren Draht zu den Kindern aufbauen. Diese zwei Tage haben in mir sehr viel zum Bewegen gebracht. Als ich die Schlafzimmer der Mädchen gesehen habe, wurde ich sprachlos .. In dem Heim wohnen etwa 70-80 Mädchen. Die Schlafzimmeranzahl kann man an einer Hand abzählen, sodass in einem Zimmer an die 20 Mädchen Bett neben Bett schlafen und wohnen. Jeder von Ihnen besitzt noch einen kleinen Schrank in der Größe von einem Nachttischschränkchen und mehr nicht .. Es gibt 2 kleine Aufenthaltssäle, ein kleines Gelände zum Spielen und den Speisesaal. Es war für mich schrecklich zu sehen, dass so viele Kinder auf einem Haufen, ohne auch nur das geringste an Privatsphäre zu besitzen, aufwachsen müssen. Wenn dir dann noch ein 14jähriges Mädchen in die Augen schaut und erzählt, dass es seit 12 Jahren keine Eltern mehr hat, weil die Mutter gestorben ist und der Vater von der FARC erschossen wurde, wenn ein anderes Mädchen Beine voller Narben hat und den ganzen Morgen auf den Besuch ihrer Mutter wartet ohne das jemand kommt, wenn ein anderes Mädchen fast ausgehungert im Schlafanzug alleine draußen steht und mit traumatisiertem Blick Selbstgespräche führt, dann spürt man ganz tief im Herzen ein starkes Stechen, die wahre Ungerechtigkeit der Welt und das Verlangen diese Mädchen einfach nur in den Arm zu nehmen, um ihnen zu zeigen, dass man sie gerne hat, das sie etwas ganz Besonderes sind, ganz egal wer und wie sie sind... !
Diese zwei Tage haben mich sehr zum Nachdenken gebracht und mir wurde das erste Mal so richtig Bewusst, dass ich die absolut wunderschönste Kindheit der Welt erleben durfte. Ich hatte genug zu Essen und zu Trinken, ich hatte Spielzeug, wir waren jeden Sommer in dem Urlaub, es gab Geschenke zu Weihnachten, zum Geburtstag und zu Ostern, ich habe Unterstützung und Hilfe in all meinen Wünschen und Problemen bekommen, ich habe nie Gewalt erfahren müssen... und das Allerwichtigste: Ich hatte Eltern, die mich sehr geliebt haben und das jetzt auch immer noch tun..

Ferienspiele in Montebello

Stehengeblieben waren wir an dem Punkt, dass die großen Ferien für die Kinder aus dem Colegio begonnen haben, 3 Monate! Was ist seit dem alles passiert?
Die ersten beiden Wochen dieser Ferien habe ich in der kleinen Bibliothek der Schule verbracht. Kleine Bibliothek, nun ja, wohl eher eine Rumpelkammer, die es dringend nötig hatte, mal geputzt und geordnet zu werden! Ich habe mit Jasmin alle Bücher aussortiert, neu geordnet, abgestaubt und jede Menge davon weggeschmissen. Das Problem dort ist, dass es von allen Seiten durch die Decke herein regnen kann. Das ist der Grund, warum alle Bücher feucht und sehr viele davon verschimmelt sind.
Anschließend fingen die „vacaciones recreativos“, Ferienspiele für die Kinder aus Montebello, im Colegio an! Sechs Freiwillige (inklusive mir) wurden beauftragt, sich um die Gestaltung dieser Ferienspiele zu kümmern. Anfangs war es noch sehr unklar, ob die Ferienspiele überhaupt stattfinden werden: Melden sich genug Kinder an? Wenn ja, werden alle Kinder den Betrag von 5.000 Pesos für die Teilnahme zahlen können? Gibt es genug Geld für die Materialien? Und und und …
Nach langem hin und her haben wir eine Kiste mit Materialien zum Arbeiten zur Verfügung bekommen. Zwar noch lange nicht alle Materialien, die wir beantragt hatten, aber immerhin Dinge aus denen man mit Kreativität etwas machen kann! Insgesamt gab es drei Gruppen an Kindern, die nach dem Alter unterteilt waren, und drei verschiedene Themen, zu denen Aktivitäten ausgeführt worden sind: 1. Sport, 2. Kunst, 3. Deutschland! Mein ursprünglicher Plan war mit den Kindern ein Puppentheaterstück einzustudieren und die dafür benötigten Handpuppen selbst herzustellen. Diesen Plan habe ich aber nach der ersten Woche über den Haufen geworfen, da es für mich nicht umsetzbar war. Erstens waren keine Materialien vorhanden, um Handpuppen herzustellen. Zweitens ist das Einstudieren eines Puppentheaterstückes eine kontinuierliche Arbeit, die nicht gewährleistet ist, wenn jeden Tag andere Kinder kommen und gehen! Schließlich habe ich meine Anforderungen zurück geschraubt und mit den Kindern künstlerische Aktivitäten, wie Malen, Basteln, Arbeiten mit Pappmaché etc. durchgeführt, was auch anstrengend genug war :). In der ersten Woche haben wir das Buch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ durchgenommen, dazu Aufgaben gemacht und gebastelt. In der Woche darauf haben wir mit Hilfe von Luftballons und Pappmaché bunte Schüsseln hergestellt. Die restlichen Tage haben wir vor allem Basteleien für Weihnachten angefertigt und ausstehende Arbeiten, wie zum Beispiel das Bemalen der getrockneten Pappmaché-Schüsseln, aufgeholt.
Anfangs war ich ziemlich frustriert und jeden Tag von Neuem am Ende von meinen Kräften, denn die wenigsten der Kinder gehorchen oder führen ihre Arbeit pflichtgemäß aus. Eine Unterrichtsstunde gleicht viel mehr einem totalen Durcheinander. Kinder, die kreischen, Kinder, die sich um Materialien streiten, Kinder, die sich gegenseitig schlagen, Kinder, die aus dem Klassenraum abhauen, Kinder, die keine Lust haben und deshalb ihre Freunde stören, Kinder, die sich ohne zu fragen an meinen Materialien bedienen und sie kaputt machen. Es gibt auch Kinder, die gerne arbeiten möchten, das aber nicht können, da sie von den Anderen gestört werden. Wenn man all dieses Chaos gerne beseitigen möchte (in einer anderen Sprache), dann ist das gar unmöglich! Mit der Zeit aber fing ich an zu verstehen, warum die Kinder sich so verhalten. Es ist mehr oder weniger ein Schrei nach Aufmerksamkeit. Wenn sich die Kinder gegenseitig schlagen, dass ist das eher ein Zeichen, dass sie nie gelernt haben, Probleme ohne Gewalt zu lösen. Da viele der Kinder oft alleine zu Hause sind, da die Eltern arbeiten oder da sie gar nur ein Elternteil haben, der oft beschäftigt ist, haben sie nicht gelernt, was es heißt, Respekt vor einer anderen Person zu haben und zum Beispiel mit dem Eigentum derer vorsichtig umzugehen. Die Verhältnisse, aus denen die Kinder kommen, spiegeln sich in dem Verhalten der Kinder wieder. Wenn man das einmal verstanden hat, dann ist es gleich viel einfacher mit all den Problemen und Schwierigkeiten umzugehen. Ich habe meine anfänglichen Anforderungen zurück geschraubt und gelernt, dass die kleinsten Veränderungen hier gleich ganz große Veränderungen sind. Wenn man es zum Beispiel schafft nur einem Kind beizubringen, dass man Probleme auch mit Worten und nicht mit Gewalt lösen kann, dann ist das ein unglaublich großer Gewinn für Alle! Ich habe verstanden, dass es bei den Ferienspielen hier nicht im Mittelpunkt steht, etwas Großes mit den Kindern hervorzubringen, denn das eigentlich wichtige ist die Beschäftigung mit den Kindern. Wenn man es dann noch schafft, eine Aktivität mit Geduld zu Ende auszuführen, sodass die Kinder am Ende eine Art Erfolgserlebnis haben, dann ist das viel mehr Wert, als ein misslungenes Puppentheaterstück. Es ist sehr wichtig, sich an kleinen Fortschritten zu orientieren und sich daran zu erfreuen und ganz besonders wichtig ist es, die Hintergründe zu durchfragen um zu verstehen!
Im Endeffekt haben mir die Ferienspiele von Tag zu Tag immer mehr Spaß gemacht und ich hatte das Gefühl, dass auch die Kinder sich von Zeit zu Zeit immer mehr an uns gewöhnt haben und uns somit auch mehr respektiert und die Zeit genossen haben!













Es weihnachtet .. nicht!

Ich entschuldige mich hiermit als erstes, dass ich eine Ewigkeit nichts von mir hören hab lassen!
Ich war die letzten Wochen trotz regulären Schulferien sehr im Stress und hatte selbst an den Wochenenden kaum Zeit für mich!
Bald ist Weihnachten! :) Hier in Cali finden zurzeit die sogenannten Novenas statt. Das ist ein katholischer Brauch während dem Advent! Neun Tage vor Weihnachten werden hier in Kolumbien täglich Gebete verrichtet, die sich auf die Geburt Jesus beziehen. Dazu versammeln sich Freunde oder Familienangehörige vor einer aufgebauten Krippe, singen und hören traditionelle Weihnachtslieder (die Villancicos; hören sich ein wenig wie deutsche Weihnachtslieder für Kinder nur auf Spanisch an) und beten. Anschließend findet häufig noch ein gemeinsames Essen statt. Dieses Jahr kann ich mich aber einfach nicht auf Weihnachten einstellen. Auch wenn hier überall die Lichterketten leuchten, wir mittlerweile einen Advenzkranz und sogar einen Advenzkalender haben, alle Menschen in Weihnachtsstimmung sind, am 07. Dezember wunderschöne Kerzen auf den Straßen angezündet wurden (um Marias Empfängnis zu feiern) und die Novenas begonnen haben, kommt bei mir die weihnachtliche Stimmung aufgrund der ständigen 25-30 Grad einfach nicht richtig an. Es fehlen die Kälte und der Schnee, meine Famile, Glühwein, ein Weihnachtsbaum, Räucherstäbchen, Omis Plätzchen, Mamis Weihnachtstee und natürlich der Frankfurter Weihnachtsmarkt … !
ganz viel Schnee ..